Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Projekt

Fragestellung

Wenn der 14. Dalai Lama wie kürzlich bei der Abschlussrede seines Deutschlandsbesuches festhält „Gewalt wird von jeder Religion abgelehnt”, so steht er mit dieser Aussage nicht alleine. Aber ist die Sache wirklich so einfach?

Viele Stimmen – vor allem religiöser Autoritäten – sprechen von der grundlegenden Friedfertigkeit ihrer oder gar aller Religionen. Gleichzeitig scheinen sich die Berichte der Taten von Gewalt und Terror im Namen der Religion zu vermehren. Die Folgen von religiösem Nationalismus und Fundamentalismus sind in aller Munde. Ob es sich um Selbstmordanschläge im Nahen Osten, Mordanschläge amerikanischer Lebensschützer gegen Abtreibungskliniken, Anschläge von extrem-muslimischer Seite auf amerikanische Einrichtungen im Ausland, die Giftgasattacke der Aum-Shinrikyo auf die Tokioter U-Bahn 1995 oder die Anschläge vom 11. September handelt, die Liste der von als religiös angesehenen Faktoren begleiteten Terror- und Gewaltakte ist lang. Doch werden neben diesen unmittelbaren Formen physischer Gewalt auch psychische, strukturelle oder soziale Formen der Gewalt verübt.

Wie kann es sein, dass ›Religion‹ einerseits besonders um Frieden bemüht zu sein scheint, sich andererseits die Vorfälle religiöser Gewalt jedoch zu häufen scheinen? Was bringt die Anhänger verschiedener Religionen dazu auf Mittel der Gewalt zurückzugreifen?

Zielsetzung

Die Ringvorlesung ist bestrebt aus religionswissenschaftlicher Perspektive die Gründe, Mechanismen und jeweiligen Kontexte zu erörtern, welche zur Anwendung religiös motivierter oder legitimierter Formen von Gewalt führen bzw. diese begünstigen. Hierzu gilt es auch (in einem interdisziplinären Ansatz) nach nicht-religiösen Faktoren zu fragen, die für die Anwendung von Gewalt verantwortlich gemacht werden können und das Zusammenspiel von verschiedenen religiösen und anderen Faktoren zu klären. Denn was die einzelnen Akteure schließlich die Akte der Gewalt konkret ausüben lässt, lässt sich nicht auf den einen Faktor der Religion reduzieren, sondern ist auf eine komplexe Interaktion religiöser, ideologischer, kultureller, politischer und ökonomischer Faktoren zurückführen!

Ein Ziel dieser Veranstaltungsreihe ist es somit, die vielfältigen Gesichtspunkte religiös motivierter und legitimierter Gewalt in ihrer Komplexität darzustellen und so einen differenzierten Umgang mit religiöser Gewalt zu ermöglichen.

Durchführung

Realisiert wird die international besetzte Ringvorlesung von Studierenden und Mitarbeitern des Instituts für Religionswissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Im Hinblick auf den Erwerb übergreifender Kompetenzen erfolgt die Zusammenarbeit mit einem studentischen Organisationsteam, das die Veranstaltung über einen Zeitraum von 2 Jahren hinweg plant und durchführt.

In diesem Rahmen ist es uns gelungen international renommierte Wissenschaftler für die Vorlesungsreihe zu gewinnen, die uns ausgehend von ihren unterschiedlichen Fachgebieten einen interdisziplinären Blick auf die komplexe Thematik religiöser Gewalt gewähren können.

Dabei läuft die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Herrn Dr. Eckhart Würzner und in Kooperation mit der Volkshochschule Heidelberg e.V.